Sonntag, 27. Juli 2008

Zorn

Ich könnte schreien. Mein Herzschlag rast wie der einer Maus, das Adrenalin in meinem Blut weiß schon gar nicht mehr wo es hin soll, am liebsten würde ich etwas zerstören. Hätte ich eine schwarze Liste, mit Namen von Personen, die ich verachte, dann ständen da jetzt 2 Namen drauf: Candice und Matthew, Bonnie und Clyde, Dummheit und Unsinn, Beavis und Butthead, Dumm und Dümmer! Noch immer hallen ihre letzten Worte in meinem Verstand:
„We don’t want to have anything to do with you!“ (Wir wollen mit dir Nichts zu tun haben.)
10 Minuten früher:
Ich stand gerade am Herd und briet mir ein Ei, als ich die gewohnt unheilsvollen Schritte hörte, die meine schwachmatischen Mitbewohner ankündigten. Es ist mir ein Rätsel, wie zwei Personen alleine bei so etwas einen Krawall machen können, wie eine Herde Büffel, die versucht eine geflieste Treppe hinunter zu stürzen. Ich drehte mich um, sah Candice kurz in der Küche. Sie sah mich. Kehrtwende. Sprach zu Matthew, der wohl dahinter war und sie gingen dann doch durchs Wohnzimmer, besser nicht mit dem irren Deutschen reden. Ich höre die Verandatüre auf- und zugehen. Hide and Seek. So geht das jetzt schon seit mindestens einer Woche.
Ein paar Tage früher:
Am Anfang war das Verdachtsmoment. Matthews Zimmer ist auf der gleichen Etage wie Michaels und meines. Candice hat über Monate hinweg auch ausschließlich dort gewohnt und ihr eigenes Zimmer ein Stockwerk höher verwesen lassen. Doch seit ein bis zwei Wochen ist das anders. Da hört man zu verschiedenen Zeiten den lächerlichen Versuch, wie Candice leise eine Treppe hoch oder runter laufen will. Sie schafft es aber lediglich den Lärmpegel von „Start eines Düsentriebwerkes eines F-16“ zu „Formel 1 Auto bei 18.000 U/min“ zu verringern. So ging es Tag für Tag, Nacht für Nacht. Doch immer nur dann, wenn Michael und ich im Zimmer, in der Küche oder nicht im Haus waren. Was genau dort oben ablief blieb für uns im Dunkeln.
Dann folgten die Fehler. Wenn man mit aller Gewalt versucht etwas zu verstecken, dann passieren früher oder später Fehler, wenn man geistig so beschränkt wie Candice ist, dann definitiv früher. Dinge an die man nicht denkt, Dinge von denen man denkt, dass der „hinters Licht zu führende“ sie nicht als das erkennt, was sie sind. Ich fand eines schönen Abends einen Müllsack in der Küche. Gefüllt mit Zeitungspapier. Ich wusste, dass Matthew jeden Tag Zeitungen bekommt, diese aber dann mit ins Zimmer nimmt, dass Michael und ich sie nicht lesen können. Aber wenn man diese Zeitungen wegwirft, dann wird man das gestapelt machen. Man wird nicht die einzelnen Seiten zerknüllen und dann in einen Sack stecken. Außerdem riecht Zeitungspapier in der Regel auch nicht streng, dieses hier in der Küche tat es aber.
Wozu kann man Zeitungspapier noch verwenden? Wann wird man es zerknüllen? Ein Maler der ein Zimmer streicht und dieses mit Zeitungspapier auslegt beispielsweise. Oder jemand der versucht ein oder mehr Tiere in seinem Zimmer zu verstecken, allerdings damit kämpft, dass diese eine gewisse Sauerei, bzw. einen gewissen Schiss hinterlassen.
Dann war da noch ein Schildchen auf dem Tischchen bei der Eingangstüre: Werbung für eine Versicherung für Hundewelpen!
Was ist wohl wahrscheinlicher? Dass Gott das Öl, Dinosaurier und anderen Mist vor 50.000 Jahren unter die Erde gestopft hat, als er die Welt erschuf, oder aber die Erklärung der Wissenschaft ausgehend von der Erstehung des Universums vor etwa 14 Mrd Jahren?
Gestern dann wurde die Sache aufgelöst. Scheinbar wurde ich übersehen, als ich den Pool saubermachte. Denn plötzlich lief Candice mit überraschtem Blick vorüber, hinab in den unteren Teil des Gartens. Noch überraschter war mein Blick, als ich in einer kleinen Wanne, die sie trug, zwei Köpfe ausmachte: Schlappohren, lange Nase, Hundeblick.
In einer Schlacht ist das wohl der Moment, in dem beide Seiten beschließen ihre besten Kämpfer loszuschicken und die Entscheidung suchen.
Zurück zu heute morgen. Ich nehme Teller und Kaffeetasse und setze mich auf den Balkon. Die Sonne steht tief, brennt auf meine Stirn. Ich höre Candice und Matthew im Garten. Die Entscheidung ist nahe. Das beruhigende Gefühl, dass diese Heimlichtuerei bald ein Ende hat mischte sich mit dem Adrenalin des Kampfes. Noch ein paar Mal tief ein und ausatmen.
Blutdruck steigt weiter, in meiner linken Brust hämmert es.
Schließlich steige ich hinab zum Grauen. Matthew und Candice schauen mich verstört an, als ich bei ihnen auftauche. Zwei Welpen tollen im Gras herum.
„Ich nehme an die gehören euch.“ Eröffne ich mit einem langsam geführten Schwertstreich den Kampf. „Nein, ich passe nur auf sie auf.“ Kontert Candice mit ihrer unglaublichen Art eine Lüge wie eine Lüge aussehen zu lassen. „Wie lange?“ Schwertstich nach vorne. „Ein paar Tage.“ Schwert prallt am Lügenshield ab. Ich setze auf eine ausgeklügelte Kombination: „Wisst ihr, ich habe das Gefühl, dass ihr die schon seit ein paar Tage im Zimmer versteckt und dass Peter (der Vater und Besitzer des Hauses) das nicht weiß.“ Jetzt greift Matthew ein. Zu meinem Entsetzen ist er ein hirntoter Zombie, vermutlich hervorgerufen durch den übermäßigen Kontakt mit der verstand-raubenden Hexe Candice, führt aber einen mächtigen Morgenstern: „Was ist dein Problem?“ Ich kann gerade noch ausweichen und versuche abermals mit schnellgeführter Klinge das Schild der Dummheit zu durchbrechen. Doch meine Argumente „in einer Wohngemeinschaft geht es alle an, wenn sich etwas im Haus ändert“ und „wir haben Hausregeln“ (damit hier nicht totale Anarchie regiert) prallen ab. Plötzlich hat Candice einen Dolch in der Hand „Peter ist Matthews Vater, der Besitzer dieses Hauses, er hat es erlaubt!“. Mit einem Reflex „ich bin ja erstmal nicht automatisch gegen alles negativ eingestellt, aber ich wüsste es ganz gerne“ kann ich ihn noch abwehren, bevor mich von oben Matthews Waffe mit aller Gewalt „Was ist dein Problem? Wir wollen mit Dir nichts zu tun haben!“ niederschlägt. Einer der Welpen hat sich zu mir durchgekämpft und versucht meine Wunden zu lecken, doch er wird brutal, „lass unsere Hunde in Ruhe“, weggerissen. Ich ergebe mich und gehe zurück ins Haus.
Ich rufe Matthews Mutter an und frage, ob sie wirklich Bescheid wussten. Sie ist erstaunt, dass die Welpen bereits da sind. Das bedeutet ein Schlag ins Gesicht für mich, denn im Prinzip wussten sie wohl etwas, haben aber bisher nichts gesagt, aber auch einen für Matthew, denn er hat nicht berichtet, dass sie bereits da sind.
Ein kurzer Kriegsrat mit Michael kommt zu dem Schluss, erstmal den heutigen Tag abzuwarten und auf Nachricht von den Hausbesitzern zu warten.
Am ersten Tage schickte er die Kröten, um den Schlaf zu rauben. Am zweiten Tage sandte er die Kaninchen, um durch die Hatz in den Wahnsinn zu treiben. Am dritten Tage sandte er die Kakerlaken, um den Schlaf zu rauben und Krankheiten zu bringen. Am vierten Tage sandte er abermals das Kaninchen, doch erkannte, dass er stärkere Waffen brauchen würde. Am fünften Tage sandte er die Welpen, um den Wahn voranzutreiben und am sechsten Tage sandte er seine mächtigste Waffe: zwei Südafrikaner mit dem IQ eines Felsblocks, deren imaginäre Märchenwelt aus irgendeinem Grund in unserem Haus mit meiner Realwelt überlappte. Am siebten Tage ruhte er, denn sein Werk war vollbracht.

8 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Friede sei mit dir. Amen.

Anonym hat gesagt…

Ich würd' erst mal ein bißchen durchschnaufen. Wenn der Sohn des Hausbesitzers sich ein paar Hunde zulegt, wo ist das Problem? Solange ers sie nur in sein Zimer kacken läßt...

Das Gespräch hörte sich selbst aus deiner Sicht nicht gerade nach De-Eskalation an, sondern eher nach direkter Konfrontation.

Anonym hat gesagt…

Viel zeug

Anonym hat gesagt…

Er ist mein Physiklehrer

Anonym hat gesagt…

Woher ist die Geschichte???

Anonym hat gesagt…

Ja irgendwie schon

Anonym hat gesagt…

Meiner auch...

Anonym hat gesagt…

Ich Sitz grade bei ihm im unterricht