Sonntag, 23. März 2008

Willkür und Schönheit

Was mag sich wohl hinter solch abstrakter Überschrift verbergen? Eine Ode an die schönen Frauen, die willkürlich studierend über den Campus streifen? Nein, mitnichten. Vielmehr geht es um die Schönheit des Landes und die Willkürlichkeit der Südafrikaner, wenn es um Sicherheit und Ordnung geht.

Es war Karfreitag um 15Uhr, als Michael und ich uns aufmachten einen Wasserfall in der Nähe zu besuchen. Nach 30 minütiger Fahrt fanden wir uns im Stadtteil Kloof auf einem Parkplatz wieder. Wir stellten fest, dass es hier mehr als den Kloof Wasserfall zu sehen gibt. Um den Canyon herum befindet sich ein herrlicher Wald, welcher als Reservat ausgezeichnet ist. Schnell noch ein Foto von der Karte des Parks gemacht und schon waren wir auf einem urigen Waldweg unterwegs.

Es hatte am Morgen noch geregnet und es roch berauschend frisch, manchmal aber auch streng nach Tierhinterlassenschaften. Wie wir später dann rekonstruierten, nahmen wir den unteren gelben Weg und bogen auf den braunen. Hier gab es ein paar schöne Aussichtspunkte und ich fand es mal so richtig toll hier.

Wurzeliger Waldweg, kühler Sch

atten und nicht mal die Spinnennetze auf Kopfhöhe in die man mindestens einmal hineinrennt, konnten meine gute Laune trüben (auch wenn die Spinnen gefährlich aussahen). Wohl so etwa gegen 16:30 kamen wir an eine Kreuzung und bogen links auf die gelbe Route ab (das ist da, wo der braune Pfad den gelben und den grünen schneidet). Es ging nun hinab in Richtung Fluss. Unten angelangt schauten wir nochmals auf der Karte nach und entschieden uns, dass wir den gelben Pfad am Fluss entlang bis zum Parkplatz nehmen könnten. Die Anzahl der Spinnennetze auf dem Pfad mehrte sich nun, so dass ich einen Stock (eigentlich ein langer Halm) vor mir hertrug. Natürlich deuteten diese Fliegenfallen nicht gerade daraufhin, dass hier häufig Wanderer entlang kamen, aber es war ja auch nicht gerade super Wetter. Nun begann unsere Route dann und wann mit dem Flussbett zu verschmelzen. Und wir mussten über teils glitschige Felsen flussaufwärts wandern. So nach und nach kam mir der Weg dann immer komischer vor. War das ein Weg am Rand des Waldes entlang? Oder ist hier nur weniger Gestrüpp, weil der Fluss das manchmal wegspült? Hmm, soll man diese Felsen wirklich hochklettern? Wenn der Fluss etwas mehr Wasser führt, geht es hier doch gar nicht mehr weiter? Ich bekam Zweifel. Vielleicht doch besser zurück? Viel länger als 18 Uhr ist es nicht hell. Verdammt! Ich hab dem Ranger am Eingang die Handynummer verschwiegen und nur unsere Namen und das Nummernschild auf der Besucherliste eingetragen. Doch plötzlich war da wieder ein Baum mit
gelben Markierungspfeilen. Puuh, schweingehabt. Doch noch richtig. Keine 2 Minuten weiter und wir standen mehr oder weniger im Fluss, die Schuhe bereits nass und kein Weg mehr weit und breit. Hä, wie kann das sein? Also wieder zurück zu den Pfeilen. Strecke erneut gelaufen. Nichts, verdammt, das geht doch nicht. Wo geht es hier lang. Mit Michael dann zusammen nochmals geschaut, auch die andere Seite abgesucht, vielleicht muss man den Fluss ja überqueren. Negativ! Der Weg ist weg. Ich hatte es bisher nicht wirklich gemerkt, aber allmählich bekam ich Panik. Der Weg zurück war doch recht weit und nach der Sucherei war es bereits kurz nach 17 Uhr. Einatmen, ausatmen. Ruhe bewahren. Die werden im Notfall bestimmt nach uns suchen. Wirklich? Ruhig bleiben.

Verdammt, ich will hier nicht übernachten. Schnell jetzt, wir müssen zum Auto. Wenn es dunkel wird sehen wir gar nichts mehr. Schnell zurück, vielleicht finden wir den Aufstieg wieder, dann haben wir ne Chance. Den Pfad kann man auch bei Dunkelheit entlang schleichen.

Wir gingen zurück. Flussabwärts, über glitschige Felsen. Michael rutschte einmal aus. Ich nahm manchen Felsen im Sitzen. Scheiße, scheiße, scheiße! Spinnweben waren mir jetzt egal, nur noch schnell zurück. War das der Weg? „Sind wir da hergekommen? Sind wir richtig?“ Zum Glück hatte Michael ein besseres Gedächtnis und konnte meist mit „Ja“ antworten. „Ahh, das kommt mir wieder bekannt vor.“ Aber das war noch ein ganzes Stück vom Abstieg weg, oder? Uhrzeit: 17:15. Oh Mann. Den Fluss können wir bei Dunkelheit nicht runter, da finden wir dann gar nichts mehr. Ich begann zu schwitzen, mein Herz schlug schneller, als mir lieb war. Immer öfter hatte ich das Bild zweier einsamer Wanderer vor Augen, die allein auf einem Felsen im Fluss die Nacht verbringen mussten.

Doch dann wurden wir erlöst. Plötzlich tauchte der Pfad wieder auf und der Aufstieg begann. Der allerdings, war schon recht anstrengend, wir waren da wohl doch einige Meter hinab gestiegen. Immer vorwärts, wir schaffen das. Es begann leicht zu regnen, unter dem Blätterdach, waren wir aber gut geschützt. Zu gern hätte ich jetzt einen Schluck Wasser getrunken. Das hätte meinem trockenen Mund und noch viel mehr meiner Seele, gut getan. Aber ihr könnt wahrscheinlich erraten, was sich hinter dem Beifahrersitz und NICHT in meinem Rucksack befand.

Unglaublicherweise schafften wir es vor Anbruch der Nacht zurück zum Parkplatz. Es war kurz vor 18 Uhr, wir waren scheinbar doch flott unterwegs gewesen. Super, wir sind pünktlich, um 6 schließt nämlich auch der Park. Außer heute. Da ist der Wächter am Eingang bereits weg und der Ausgang mit einer Kette versperrt. „Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Der muss doch noch hier sein. Der weiß doch, dass wir noch da sind.“ Immerhin stand ganz allein Michaels Saab auf dem Parkplatz. Aber nein. Keine Sau da. Dabei hatte ich mir schon so schön die Worte zurechtgelegt, die ich dem Kerl an den Kopf werfen wollte. „Habt ihr eigentlich nen Schatten! Der Weg hört einfach auf. Da sind nirgends Markierungen. Weißt du wie knapp das war, dass wir es noch vor der Nacht hierher geschafft haben? Was passiert denn hier mit dem Eintrittsgeld? Werden damit nur die Mülleimer geleert?“

Hier hätte definitiv niemand nach uns gesucht. Vielleicht wäre der Wächter noch mal in der Nacht zurückgekommen, um zu schauen, ob das Auto noch da steht. Nach dem Motto: „Was man findet darf man behalten“, hätte man das ja noch abtransportieren können.

Zum Glück konnten wir die Kette per Hand lösen. Und machten uns schnellstmöglich davon.

Aber ich werde wiederkommen. Um den Pfad von der anderen Richtung zu testen. Mal sehen, ob wir zu dämlich waren, der Pfad wirklich nicht leicht zu finden ist, oder irgendein Scherzkeks einen Teil des Flusses als Weg interpretiert hatte und schlicht gelb anmalte, immerhin gibt es auch Wege auf der Karte die im flussblau gezeichnet sind.

Vielleicht sollte ich mir ein Survival Kit zulegen. Automatische Waffen, Handgranaten und so. Da kann man im Notfall den Wald wegbomben und sich seinen Weg bahnen. Und gleichzeitig macht man auch noch auf sich aufmerksam.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Gänsehaut pur!