3:40 Uhr: Scheiße bin ich kaputt. Keine 5h Schlaf. Aufstehen, die kalte Dusche wartet. Kalt? Wasserboiler ist seit 4 Tagen kaputt. Zumindest werde ich wach. Frühstück wird rein gehauen. Michael: „Hoffentlich hält das Auto“. Ich: „Jaja, der Saab sollte das schon machen, hast du eigentlich nen Ersatzreifen?“ Michael: „Ja müsste einer im Auto sein.“ Ich: „Werden wir sowieso nicht brauchen, nur falls…“ Kurz nach fünf starten wir. Ziel: die Wetlands (Feuchtgebiete) St. Lucias und die zusammengeschlossenen Wildparks Imfolozi und Hluhluwe (ausgespr. Schluschluwe).
5:30 Uhr: Ilya (Russland), Magnuz (Schweden) und Daniel werden abgeholt. Wie sich später rausstellt ist Ilya der Paparazzi unter uns. Sein Kameraobjektiv hat etwa 30cm Länge und er scheint fast das gesamte Innenleben der Nasenlöcher der Wildtiere aus 50 Meter Distanz auflösen zu können, neue Arten wurden jedoch nicht entdeckt, noch nicht, vielleicht folgt das noch nach der Auswertung der Fotos.
8:00 Uhr: nach kurzer Rast, komische Geräusche am Auto.
8:00:30 : Platten! Das gibt’s doch nicht. Wir haben uns noch drüber lustig gemacht. Wir stehen direkt an der Straße. Links nen ärmliches afrikanisches Dorf. Wir scheinen irgendwie aufzufallen. Daniel, nachdem wir den Ersatzreifen rausgeholt haben: „Besser Gepäck wieder in den Kofferraum, bevor noch einer Lust bekommt uns was wegzunehmen.“ Schon nen komisches Gefühl von diversen Kindern und herumstehenden Personen angestarrt zu werden, wie Aliens.
8:50 Uhr: wir erreichen Mtubatuba, fahren zur nächsten Werkstatt mit Titel „Supa Quick“ (Super schnell) und kaufen einen neuen Reifen. Austausch dauert keine 15min. Bezahlung leider fast 20. Ich nutze die Gelegenheit eine Boots-Tour in St. Lucia für 10:00 Uhr zu buchen, hatte am Vortag schon angefragt. Wird also gebucht, wir sind keine 20km mehr weg.
9:50 Uhr: Noch vor St. Lucia finden wir „St. Lucia Boat Tours.“ Direkt am Fluss mit Steg und Anlegestelle. Ein großes Schild lacht mir ins Gesicht: Abfahrt: Mo-Fr 10, 14, 16 Uhr. Samstag 9:00 Uhr!
Das darf doch nicht wahr sein. Ich hatte doch die Tussi noch gefragt nach den Uhrzeiten. Und wir sind extra deshalb so früh aufgestanden. Verfluchter Mist. Aber Ruhe bewahren, klang wie ne nette Frau am Telefon. Ein Kerl vor Ort erzählt mir, dass er auch nicht weiß, warum das heute 9 Uhr ist, eigentlich immer erst um 10. Natürlich. Es ist sonst immer alles so, wie es sein sollte, nur halt nicht wenn ich etwas will. Wir warten sicherheitshalber ein paar Minuten, fahren dann aber weiter. Entschließen uns schnell noch eine Kleinigkeit einzukaufen und erstmal auf eigene Faust in St. Lucia den Park zu erkunden.
Nebenhinweis: in diesem Teil Südafrikas ist das Verhältnis schwarz zu weiß etwa 5000:1
Wir fallen auf wie nen „weißer“ Hund. Dementsprechend bekommen wir diverse Waren angeboten sobald wir aus dem Auto steigen. Ne bescheuerte Geschichte dazu, später.
10:30 Uhr: Wir erreichen das Tor zum Park, Eintritt ist human, ein paar €. Interessant ist, dass maximal 120 Autos gleichzeitig dort rein dürfen, um die Natur nicht allzu sehr zu stören. Wie in solchen Parks üblich, soll man das Auto nur noch an gekennzeichnete Stellen verlassen, immerhin ist das Wildnis und man befindet sich im Revier des gefährlichsten Tieres Afrikas: dem Nilpferd. Kein Witz. Die meisten Todesfälle gibt es nicht wegen Krokodilen, Löwen, Schlangen, Spinnen oder anderem, sondern durch Hippos, weil diese leicht reizbar sind und verbissen ihre Jungen verteidigen. Und auch wenn sie an Königsberger Klöpse erinnern, sie sind schnell und zertreten dich wie ne Maultasche.
Der Park ist wunderschön. Auf einer Seite Strand, mit wunderbar blauem Meer, auf der anderen Seite ein Fluß mit Feuchtgebiet.
13:50 Uhr: Wir verlassen den Park, ich rufe die Dame noch mal an und versuche für 16:00Uhr was zu buchen. „Hi, hier ist Andy noch mal. Ich wollte fragen, ob um 4 Uhr noch Plätze auf dem Boot frei sind, heut morgen ist das schon um 9 gestartet und wir waren zu spät dran.“ „Nein das kann nicht sein.“ „Doch, der Kerl dort hat es auch nicht verstanden.“ „Waren sie auch an der richtigen Stelle.“ „Jaja, direkt vor St.Lucia an der Anlegestelle.“ „Nein, nein, das ist das falsche. Wir starten wo anders.“ Ich glaub ich geh kaputt. Das kann doch nicht sein, bin ich denn bescheuert. So nen mickriges Örtchen und es gibt zwei Unternehmen die Touren veranstalten? „Ja, wo muss ich denn hin.“
Nun ja, hab ich dann wohl verbockt. Bekomme ne Beschreibung zu ihrem Büro, wo wir die Karten lösen können, speziell wird mir auch beschrieben, dass ich nach dem Zeichen mit dem Wal und dem Delfin Ausschau halten soll.
14:00 Uhr: Wal und Delfin? Auch du Scheiße. Nachher machen die Bootstouren im Meer und gar nicht auf dem Fluss. Immerhin liegt St. Lucia am Meer und ist auch berühmt für Waltouren, aber die sind schon teuer und eigentlich nicht das, was wir machen wollen. Super Andy, dein Organisationstalent lagert wohl irgendwo unter dem Stapel Schmutzwäsche im Zimmer und traut sich nicht mehr raus.
Kurz später: Öl Warnleuchte geht an. Wir fahren sofort zur Tanke. „Einmal Öl checken bitte.“ Das ist nicht teuer, in der Regel muss man nicht mal das Auto verlassen. In unserem Fall allerdings: „Das ist komplett leer, da ist kein Öl mehr drin.“ Naja gut, alles ist irgendwann mal leer. Wird halt gut was reingeschüttet. Wir fahren weiter.
14:30 Uhr: Einem guten Tipp von einem anderen Parkbesucher folgend, befinden wir uns an der Mündung des Flusses zum Meer. Wir sehen Krokodile und Seeadler. Es ist richtig nett hier, so friedlich, keine Probleme, alles wie es sein sollte.
Ein Kerl kommt zu uns. Wedelt mit auf Leinen gemalten Bildern. „Tolle Bilder, schöne Bilder, gute Preis. Ihr deutsch? Ich auch deutsch spreche: Hallo, aso.“ Das kann man sich schon gut vorstellen, warum dieser Kerl für seinen früheren deutschen Arbeitgeber als Antwort ziemlich oft „aso“ benutzen musste.
Immerhin hat er ein wirklich schönes Bild. Ich frage nach dem Preis: „Zwei, Zwanzig.“ Geil das ist richtig billig. „Ich nehms“, meine ich stolz. Erfreut so jemandem mit wenig Geld helfen zu können und dafür auch noch was Schickes zu kriegen. In € wären das dann läppische 2,20. Ich zücke 20 Rand Schein und suche nach nem 2 Rand Geldstück. Merke komische Blicke meiner Kollegen und des Malers. „Moment“, meine ich verunsichert. „Sie meinten aber nicht 220“… und haben sich das hundert beim Sprechen gespart. „Doch, doch.“ Äähhmmm. Ich merke wie die heiße Tomate, die sich soeben in meinem Mund gebildet hat, mir durch die Backen zu scheinen beginnt und meine Körpertemperatur nach oben treibt, währen meine Kamerade lauthals lachen.
Aber ich bin nen netter Kerl, und wer Ja sagt, kann sich nur noch mit viel Mühe aus der Schlinge ziehen. Ich nehme das Bild also. Der Maler: „Wie sieht’s bei Rest aus, auch eins kaufen? Ich mache gute Preis. 20€.“ Und er deutet auf ein Bild, das deutlich größer ist als meins. Ich komme mir fett verarscht vor, vermisse das Schneckenhaus auf dem Rücken um mich erstmal zu verkriechen. Die anderen gehen aber nicht drauf ein, wollen es mir netterweise nicht noch kräftiger reindrücken.
Für die nächsten 15min versuche ich mir mental die Faust ins Kleinhirn zu rammen. So bescheuert kann auch nur ich sein.
Beim wegfahren stellt Magnuz fest, dass unter dem Auto ein Ölfleck ist. Weist mich draufhin, Daniel kommt dazu. Ich: „Bestimmt vom Ölwechsel.“ Irgendjemand: „Das brauchen wir Michael nicht aufs Auge binden, der fühlt sich wegen dem kaputten Reifen schon doof.“
16:00 Uhr: Wir steigen auf das Boot. Es hat alles geklappt, wir sind auf dem Fluss. Der Skipper ist ein Crocodile Dundee Verschnitt. Recht nett, ein paar gute Sprüche und kennt sich in Sachen Tier- und Pflanzenwelt auf. Er: „Das Nilpferd ist das zweit gefährlichste Tier in Afrika ist...“ Oha, was neues gelernt, bin gespannt, was gefährlicher ist. „…direkt nach meiner Ex-Frau.“ Rofl
19:00 Uhr: Wir checken in der Khumbulani Lodge ein. Hatte schon Befürchtungen, dass das nen ziemliches Kabuff ist, nachdem Mtubatuba nen ziemliches Nest und das Industriegebiet mit den Läden ziemlich abgewrackt aussah. Aber es ist ne super Hütte. Eigentlich nen richtig schönes Haus, mit Pool, nette Anlage, Hund, Katze und super netten Besitzern. Ein älteres Ehepaar, beide etwas der gemütlichere Typ, sie mehr als er, aber sehr, sehr nett. Wir bekommen die letzten 5 Betten und ne Dusche. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nämlich schon eine Sonnencreme-Schweißkruste am Körper. Schließlich waren wir fast den ganzen Tag im Auto, die Sonne brennt abartig, und wenn man Bilder machen will, dann sind die Fenster auf und Klimaanlage macht keinen Sinn.
Kosten: 9€ für eine Nacht- fairer geht es nicht.
21:00 Uhr: Nach der einzigen Mahlzeit seit dem Frühstück (meine Magen hatte gerade angefangen sich selbst aufzufressen) in einem angenehmen Country-Club, geht es in die Kiste. Daniel: „Schnarcht hier jemand.“ Im Chor: „Nein.“
21:05 Uhr: Ein Panzer fährt auf der Straße hoch und runter, hoch und runter. Hält. Saugt Luft durch das Kanonenrohr, öffnet die Lucke, bläst unter Hochdruck wieder hinaus. Hinein, hinaus, hinein, hinaus. Der Panzer hat einen Namen: Ilya. Ich hab ja schon Leute schnarchen gehört, aber das! Das ist ein 50-köpfiges Symphonieorchester, bestehend aus den unterschiedlichsten Schnarchtypen, die sich gerade dann abwechseln, wenn man dachte man hätte sich an das Hintergrundgeräusch, besser Hintergrundlärm, gewöhnt. Ich liege im Bett, schlaflos, lächle. Dem Unglück muss bald die Munition ausgehen. Denkste, was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: auf mich wurde bisher nur mit Kleinkaliber geschossen, die Geschütze werden immer erst Sonntag in Betrieb genommen.
Sonntag
3:50 Uhr: Wir werden geweckt. Das (weiße) Ehepaar lässt uns von Angestellten (natürlich schwarz, sehr sehr selten ist es mal andersrum), wie vereinbart wecken. Sie stehen allerdings zur Verabschiedung auch auf. Das ist Service. Mein Zustand: Zombie! Meinen Augen nach zu urteilen, habe ich in den letzten Stunden jede hier verfügbare Droge zu mir genommen. Man kann schon fast sagen, dass weiße Adern sich durch den roten Augapfel ziehen. So fertig war ich schon lange nicht mehr. Frühstück: Tasse Tee, so ne Art Zwieback und ne Packung Kekse vom Vortag. Wir packen, duschen und sagen Tschüss. Wie üblich erzählt eine Maggie Simpson im Gästebuch, dass Zocker-Andi da war.
5:15 Uhr: Dem Öl hat es im Saab scheinbar nicht gefallen. Geschlossen hat es sich davon gemacht und auf dem Boden verteilt. Eigentlich erstaunlich, dass es sich nicht zu einem dreidimensionalen Wesen formt und uns angreift. Loch in der Ölwanne! Oh Mann. Das war nen Volltreffer. Idee: Tankstelle ansteuern und Öl kaufen, vorrätig.
5:30 Uhr: Wir haben Glück, es gibt eine Tankstelle die offen hat. Wir nehmen einen 5 Liter Kanister, wollen bezahlen. Leider benutzt das Unglück ne Doppelläufige an diesem Morgen – der Kanister kann nicht eingescannt werden, wir können ihn nicht kaufen. Super Ingo. Nächste andere eventuell offene Tankstelle wäre 30km entfernt. Die Chance auf den Park schwindet.
Wir geben nicht auf. Wir gehen hier nicht weg! Wir gehen hier nicht weg! Wir wollen das Öl! Es wird diskutiert, es wird telefoniert. Schließlich kaufen wir dann zwei 5 Liter Kanister, bezahlen aber für 20 mal 500ml Flaschen, damit können wir Leben. Um es vorweg zu nehmen: Wir werden alle 2 Stunden nachfüllen müssen und versuchen so wenig wie möglich in der Nähe von anderen Personen zu parken, damit nicht auffällt, das wir die Straßen mit Öl schmieren. Im Sekundentakt tropft es unten hinaus.
6:30 Uhr: Wir kommen am Eingang zum Park an. Zahlen und sind in der Wildnis. Es ist wunderschön, aufregend, weil wir mit 30km/h auf der Straße rollen und nach allen Seiten nach Wildtieren suchen. Ich fahre, um Michael mal abzulösen. Die Sonne scheint, die Umgebung ist atemberaubend und legt sich wie ein Schild um uns. Das Unglück kann nur machtlos zuschauen.
12:30 Uhr: Wir rasten auf einem Picnic Platz. Können endlich das Auto wieder verlassen. Erfahren von anderen Besuchern, dass ein paar hundert Meter weg ein Löwe gesichtet wurde. Was sehr ungewöhnlich ist, weil diese schwer zu finden sind. Liegen im Schatten, blicken über den Fluss hinweg. Michael kommt anmarschiert: „Leute es ist was schlimmes passiert. Der Schlüssel ist im Kofferraum.“ Headshot!!! Und wenn das Schutzschild noch so stark ist, es gibt immer eine Waffe die durchkommt. In unserem Fall wurde wohl ne bunkerbrechende nuklear Waffe eingesetzt. Wir sind in Mitten des Parks. Etwa 30 km zwischen uns und dem Eingang. Dieser ist 30 km entfernt vom Supa Quick und dieser ist 400 km entfernt vom Ersatzschlüssel, der liegt nämlich in Durban. Und: das Auto ist nicht irgendein Auto, es ist ein Saab. Ein Saab ist in Südafrika ungefähr so häufig, wie ein Monstertruck auf Deutschlands Autobahnen. Meinem System droht Überhitzung, bevor nur noch destruktives aus ihm hervor sprudelt, springt die Zwangsabschaltung ein. In meiner letzten Aktion gebe ich Michael die Notfalltelefonnummern, die ich von der Servicekraft am Eingang bekommen hatte, die ich sicherheitshalber (wegen der Ölsache) besorgt hatte. Dann fallen die Brennstäbe ins Wasser und ich werde für die nächste Stunde keinen Ton mehr von mir geben und versuchen keine Gedanken aufkommen zu lassen.
Zwischenzeitlich wird Problemlösung betrieben. Ein Ranger ist unterwegs, es wird unter den anderen Besuchern nach Werkzeug gefragt. Wir bekommen Empfehlungen welche Scheibe am ehesten einzuschlagen ist.
13:30 Uhr: Ranger kommt. Ranger hat einen Draht. Draht wird gebogen. SAAB: „Ich bin ein schwedisches Auto, ich habe so dickes Gummi an den Fensterscheiben und so stabile Türen, mich kriegt keiner auf. Und außerdem wollt ihr mich auch gar nicht aufkriegen, weil ich stehe hier schon ne Stunde, wisst ihr überhaupt was ich unter mir schon für ne schwarze Sauerei veranstaltet habe?“
Es wird begonnen an einer kleinen Scheibe den Gummi mit einem Taschenmesser abzutrennen. Daniel sucht nach einem Hammer bei anderen Besuchern. Ich stehe daneben, ein schwarzes Loch, Informationen kommen rein, werden leicht verarbeitet, aber es kommt überhaupt nichts mehr heraus.
Dann passiert das unerwartete: Daniel findet eine Frau, der er das Problem erklärt. Sie meint: „Ha, fragen sie mal meinen Sohn, der kann da bestimmt helfen.“ Es kommt ein Kerl mit Sonnenbrille und Bier in der Hand. Neben ihm der Vater, der direkt allen von uns die Hand schüttelt, nach der Nationalität fragt und Anekdoten aus seinen etwa 60 Jahren und ein paar Dutzen Ländern zum Besten gibt. Der Sohn nimmt den Draht, fuchtelt in der Tür rum, erklärt währenddessen was er versucht und nach 30 Sekunden springt die Alarmanlage an.
Aber die Tür ist auf. Sie ist auf! Ein Knopf in der Fahrertür öffnet Kofferraum. Wir sind gerettet. Wir bedanken uns sind alle fröhlich. Allmählich wird mein System wieder in Betrieb genommen.
Der Rest des Tages im Wildpark verläuft richtig nett, wieder gibt’s ne Menge Tiere, aber es macht sich Müdigkeit breit. Bei mir scheint die Notabschaltung jedoch eine Art tiefere Meditation bewirkt zu haben. Ich bin fit, fahre sicher, Augen schmerzen, aber ich bin wach.
16:30 Uhr: Wir verlassen den Park
17:00 Uhr: Burger, Pommes und Cola im Kentucky Fried Chicken. Oh ja, eine kalte Cola, das Lebenselexier, die Ursuppe aller Geschöpfe.
17:30 Uhr: Wir sind auf der Auffahrt zum Highway der uns direkt nach Durban bringt. Ich fahre immer noch. Ein Polizist springt auf die Straße und winkt mich raus.
Jaja, ist klar, wenn man es mit Waffen nicht kann, dann gibt es für das Unglück immer noch juristische Mittel. Aber ich habe ja nen Führerschein, Michael alle Formulare des Autos. Grüße den Officer also, steige aus und hole den Führerschein aus dem Kofferraum. Der Polizist bekommt die Unterlagen von Michael. Triumph erfüllt mein Herz, dieses Mal nicht, das ist ne todsichere Wette, der kann uns gar nichts. Der Polizist läuft ums Auto und meint: „Wir haben da ein echtes Problem. Die Autonummer passt nicht zu dem auf der Tüvplakete (in Südafrika ist das ein Aufkleber an der Windschutzscheibe).“ Ich kann es nicht glauben, überprüfe was er meint. Es stimmt. Auf den Unterlagen ist die Autonummer die wir im Moment führen unter „alte Nummern“ eingetragen. „Was können wir jetzt machen?“ frage ich. „Ich fürchte, sie müssen dann mit aufs Polizeirevier kommen.“ Kacke, ein dickes weißes Blutkörperchen überlegt gerade, ob es abermals den Not-Aus Knopf drücken soll. Die Sache mit dem Polizeirevier stinkt. Das ist der Standardspruch, wenn die Polizisten wollen, dass du sie bestichst. So läuft das hier nun mal. Aber der Polizist ist nicht allein. Mit ihm nen Auszubildender, der nach der Hautfarbe zu urteilen nicht nur Südafrikanische Vorfahren hat. Was mach ich jetzt? Wenn ich dem jetzt Geld anbiete, kann das richtig böse enden. Ich verhalte mich erstmal ruhig und dann löst sich das Problem zum Glück plötzlich auf. Wir müssen die Nummernschilder abmontieren und sollen in Durban sofort nach den richtigen schauen. Puuhh, beinahe doch noch im Dreck gelandet. Weiter geht’s. Schnell weg hier, bevor die Polizisten den riesigen Ölfleck auf dem Boden entdecken.
21:00 Uhr: Wir sind in Durban. Mitreisende werden abgeladen. Wir fahren heim, ich springe unter die kalte Dusche. Wir haben etwa 4 Liter Öl durch den Wagen gejagt, ich bin fertig, ich bin sooooo fertig. Aber glücklich, schließlich hab ich was zu erzählen. Ein Wochenende an dem so richtig was loswahr. Ich habe einen Krieg überlebt.