Samstag, 20. Dezember 2008

Studentenmatte Adee

Das Studentendasein ist vorüber, also müssen letzte Überbleibsel beseitigt werden.

Vorher:



Nachher:



Schaun wir mal, ob es so bleibt. Zumindest für ein Bewerbungsfoto sollte die Frisur so genügen.

Sonntag, 27. Juli 2008

Zorn

Ich könnte schreien. Mein Herzschlag rast wie der einer Maus, das Adrenalin in meinem Blut weiß schon gar nicht mehr wo es hin soll, am liebsten würde ich etwas zerstören. Hätte ich eine schwarze Liste, mit Namen von Personen, die ich verachte, dann ständen da jetzt 2 Namen drauf: Candice und Matthew, Bonnie und Clyde, Dummheit und Unsinn, Beavis und Butthead, Dumm und Dümmer! Noch immer hallen ihre letzten Worte in meinem Verstand:
„We don’t want to have anything to do with you!“ (Wir wollen mit dir Nichts zu tun haben.)
10 Minuten früher:
Ich stand gerade am Herd und briet mir ein Ei, als ich die gewohnt unheilsvollen Schritte hörte, die meine schwachmatischen Mitbewohner ankündigten. Es ist mir ein Rätsel, wie zwei Personen alleine bei so etwas einen Krawall machen können, wie eine Herde Büffel, die versucht eine geflieste Treppe hinunter zu stürzen. Ich drehte mich um, sah Candice kurz in der Küche. Sie sah mich. Kehrtwende. Sprach zu Matthew, der wohl dahinter war und sie gingen dann doch durchs Wohnzimmer, besser nicht mit dem irren Deutschen reden. Ich höre die Verandatüre auf- und zugehen. Hide and Seek. So geht das jetzt schon seit mindestens einer Woche.
Ein paar Tage früher:
Am Anfang war das Verdachtsmoment. Matthews Zimmer ist auf der gleichen Etage wie Michaels und meines. Candice hat über Monate hinweg auch ausschließlich dort gewohnt und ihr eigenes Zimmer ein Stockwerk höher verwesen lassen. Doch seit ein bis zwei Wochen ist das anders. Da hört man zu verschiedenen Zeiten den lächerlichen Versuch, wie Candice leise eine Treppe hoch oder runter laufen will. Sie schafft es aber lediglich den Lärmpegel von „Start eines Düsentriebwerkes eines F-16“ zu „Formel 1 Auto bei 18.000 U/min“ zu verringern. So ging es Tag für Tag, Nacht für Nacht. Doch immer nur dann, wenn Michael und ich im Zimmer, in der Küche oder nicht im Haus waren. Was genau dort oben ablief blieb für uns im Dunkeln.
Dann folgten die Fehler. Wenn man mit aller Gewalt versucht etwas zu verstecken, dann passieren früher oder später Fehler, wenn man geistig so beschränkt wie Candice ist, dann definitiv früher. Dinge an die man nicht denkt, Dinge von denen man denkt, dass der „hinters Licht zu führende“ sie nicht als das erkennt, was sie sind. Ich fand eines schönen Abends einen Müllsack in der Küche. Gefüllt mit Zeitungspapier. Ich wusste, dass Matthew jeden Tag Zeitungen bekommt, diese aber dann mit ins Zimmer nimmt, dass Michael und ich sie nicht lesen können. Aber wenn man diese Zeitungen wegwirft, dann wird man das gestapelt machen. Man wird nicht die einzelnen Seiten zerknüllen und dann in einen Sack stecken. Außerdem riecht Zeitungspapier in der Regel auch nicht streng, dieses hier in der Küche tat es aber.
Wozu kann man Zeitungspapier noch verwenden? Wann wird man es zerknüllen? Ein Maler der ein Zimmer streicht und dieses mit Zeitungspapier auslegt beispielsweise. Oder jemand der versucht ein oder mehr Tiere in seinem Zimmer zu verstecken, allerdings damit kämpft, dass diese eine gewisse Sauerei, bzw. einen gewissen Schiss hinterlassen.
Dann war da noch ein Schildchen auf dem Tischchen bei der Eingangstüre: Werbung für eine Versicherung für Hundewelpen!
Was ist wohl wahrscheinlicher? Dass Gott das Öl, Dinosaurier und anderen Mist vor 50.000 Jahren unter die Erde gestopft hat, als er die Welt erschuf, oder aber die Erklärung der Wissenschaft ausgehend von der Erstehung des Universums vor etwa 14 Mrd Jahren?
Gestern dann wurde die Sache aufgelöst. Scheinbar wurde ich übersehen, als ich den Pool saubermachte. Denn plötzlich lief Candice mit überraschtem Blick vorüber, hinab in den unteren Teil des Gartens. Noch überraschter war mein Blick, als ich in einer kleinen Wanne, die sie trug, zwei Köpfe ausmachte: Schlappohren, lange Nase, Hundeblick.
In einer Schlacht ist das wohl der Moment, in dem beide Seiten beschließen ihre besten Kämpfer loszuschicken und die Entscheidung suchen.
Zurück zu heute morgen. Ich nehme Teller und Kaffeetasse und setze mich auf den Balkon. Die Sonne steht tief, brennt auf meine Stirn. Ich höre Candice und Matthew im Garten. Die Entscheidung ist nahe. Das beruhigende Gefühl, dass diese Heimlichtuerei bald ein Ende hat mischte sich mit dem Adrenalin des Kampfes. Noch ein paar Mal tief ein und ausatmen.
Blutdruck steigt weiter, in meiner linken Brust hämmert es.
Schließlich steige ich hinab zum Grauen. Matthew und Candice schauen mich verstört an, als ich bei ihnen auftauche. Zwei Welpen tollen im Gras herum.
„Ich nehme an die gehören euch.“ Eröffne ich mit einem langsam geführten Schwertstreich den Kampf. „Nein, ich passe nur auf sie auf.“ Kontert Candice mit ihrer unglaublichen Art eine Lüge wie eine Lüge aussehen zu lassen. „Wie lange?“ Schwertstich nach vorne. „Ein paar Tage.“ Schwert prallt am Lügenshield ab. Ich setze auf eine ausgeklügelte Kombination: „Wisst ihr, ich habe das Gefühl, dass ihr die schon seit ein paar Tage im Zimmer versteckt und dass Peter (der Vater und Besitzer des Hauses) das nicht weiß.“ Jetzt greift Matthew ein. Zu meinem Entsetzen ist er ein hirntoter Zombie, vermutlich hervorgerufen durch den übermäßigen Kontakt mit der verstand-raubenden Hexe Candice, führt aber einen mächtigen Morgenstern: „Was ist dein Problem?“ Ich kann gerade noch ausweichen und versuche abermals mit schnellgeführter Klinge das Schild der Dummheit zu durchbrechen. Doch meine Argumente „in einer Wohngemeinschaft geht es alle an, wenn sich etwas im Haus ändert“ und „wir haben Hausregeln“ (damit hier nicht totale Anarchie regiert) prallen ab. Plötzlich hat Candice einen Dolch in der Hand „Peter ist Matthews Vater, der Besitzer dieses Hauses, er hat es erlaubt!“. Mit einem Reflex „ich bin ja erstmal nicht automatisch gegen alles negativ eingestellt, aber ich wüsste es ganz gerne“ kann ich ihn noch abwehren, bevor mich von oben Matthews Waffe mit aller Gewalt „Was ist dein Problem? Wir wollen mit Dir nichts zu tun haben!“ niederschlägt. Einer der Welpen hat sich zu mir durchgekämpft und versucht meine Wunden zu lecken, doch er wird brutal, „lass unsere Hunde in Ruhe“, weggerissen. Ich ergebe mich und gehe zurück ins Haus.
Ich rufe Matthews Mutter an und frage, ob sie wirklich Bescheid wussten. Sie ist erstaunt, dass die Welpen bereits da sind. Das bedeutet ein Schlag ins Gesicht für mich, denn im Prinzip wussten sie wohl etwas, haben aber bisher nichts gesagt, aber auch einen für Matthew, denn er hat nicht berichtet, dass sie bereits da sind.
Ein kurzer Kriegsrat mit Michael kommt zu dem Schluss, erstmal den heutigen Tag abzuwarten und auf Nachricht von den Hausbesitzern zu warten.
Am ersten Tage schickte er die Kröten, um den Schlaf zu rauben. Am zweiten Tage sandte er die Kaninchen, um durch die Hatz in den Wahnsinn zu treiben. Am dritten Tage sandte er die Kakerlaken, um den Schlaf zu rauben und Krankheiten zu bringen. Am vierten Tage sandte er abermals das Kaninchen, doch erkannte, dass er stärkere Waffen brauchen würde. Am fünften Tage sandte er die Welpen, um den Wahn voranzutreiben und am sechsten Tage sandte er seine mächtigste Waffe: zwei Südafrikaner mit dem IQ eines Felsblocks, deren imaginäre Märchenwelt aus irgendeinem Grund in unserem Haus mit meiner Realwelt überlappte. Am siebten Tage ruhte er, denn sein Werk war vollbracht.

Montag, 14. Juli 2008

Konferenz des Grauens

Die SAIP (South African Institute of Physics) ist die südafrikanische Version der DPG. In diesem Moment sitze ich mit dicker Erkältung in meinem Zimmer und weiß nicht so Recht wo das Grauen eigentlich begann. Starten wir mal mit der Anmeldung. Es gibt eine Homepage zur Konferenz. Dort finden sich so tolle Sätze wie: „…the deadline was on Monday!“ Leider steckt in diesem Satz nicht genügend Information, um herauszufinden, welcher Montag genau das eigentlich war. Aber diese deadline wurde, weil bereits vorbei und von vielen verpasst, verschoben auf den 30. 4. Das ist wohlgemerkt noch immer die aktuellste Neuigkeit auf der kompletten Homepage. Was nicht wirklich hilfreich ist, wenn man eine Woche vor Beginn noch Fragen hat. Unsere Gruppe hatte rechtzeitig ihre Abstracts (Kurzbeschreibung unseres Vortrages) verschickt (das war also im April) und wir bekamen dann irgendwann nähere Informationen zu Gebühren etc.
Flug buchen ist ja bekanntlich eine Aufgabe der Sekretärin. So ist es auch hier. Der Direktflug nach Polokwane (35km von der University of Limpopo entfernt) war zu teuer. Also flogen wir nach Johannesburg, um von dort mit dem Auto erstmal 360km zurückzulegen. Übergabe aller Informationen für den gewünschten Flug erfolgte etwa 10 Tage vor Konferenz Beginn. Das ist in Deutschland vermutlich schon extrem spät, aber wir waren für südafrikanische Verhältnisse noch mehr als gut in der Zeit. Zumindest dachten wir das. Letztlich kam es, wie es kommen musste. Letzten Montag (haha, das Weglassen detaillierter Informationen kann ich auch), ein Tag vor Konferenz Beginn, stellte sich heraus: Die Sekretärin hat gerade heute Urlaub, es ist noch nichts bezahlt, die Vertretung hat keine Zeit den Scheck zur Bank zu bringen und was am tollsten ist: man hatte Thomas (Prof. Konrad) schlicht vergessen. Es war dann kurz nach 15 Uhr als ich den Scheck bekam und zur Bank düste in der Hoffnung das irgendwie hinzubekommen. Thomas musste aus eigener Tasche eine Überweisung starten und hoffen, dass diese irgendwie rechtzeitig ankam. Interessanterweise hatte es die Sekretärin der Quanteninformationsgruppe geschafft für Pierrot (wir sitzen im gleichen Büro) diese ganze Angelegenheit, ohne dass er irgendein Problem bekam, innerhalb von 4 Tagen zu lösen. Somit ist klar, dass die verzögernde Zeitschleife im Büro unserer Sekretärin lag.
Dienstag um kurz nach 10 Uhr ging es los. Wir verabschiedeten uns von den Hinterbliebenen, allen PhD, Postdocs und Professoren die sich geweigert hatten nach Polokwane zu kommen. Prof. Petruscionne der Leiter der Quanteninfo Gruppe hatte bereits an diesem Morgen eine Stunde im Aufzug festgesteckt und beim Befreiungsversuch einen Starkstromschlag abbekommen, auch er verabschiedete uns. Ob in seinem Gesichtsaudruck Mitleid oder Trauer lag kann ich nicht mehr genau sagen.
Am Flughafen angekommen hatte sich das Schicksal bereits zurechtgelegt mit welcher rechts-links Kombination es uns attackieren wollte. Zuerst bekam es Michael zu spüren. Der Mietwagen in Johannesburg war auf seinen Namen gebucht. Er hatte aber seinen Führerschein vergessen. Ich war der Einzige, der einen hatte, also hofften wir, das irgendwie umschreiben zu können. Im Flugzeug meinte es die Stewardess zu gut und kippte Michael den Orangesaft direkt auf den Pulli. Ein Teil verblieb im Tablett, fand jedoch den Weg auf den Boden, als das Aufräumkommando trotz Warnung das Tablett mit Schwung entsorgte. Schließlich fand Michael noch heraus, dass er den Stromadapter seines Notebooks vergessen hatte, damit blieben ihm 5min Akkulaufzeit. Da hatte das Schicksal dann also die Klitschko-Rechte ausgepackt.
Der Flug lief perfekt, Mietauto bekamen wir auch (ein kleiner weißer Chevrolet) und dann ging es los. Zu Beginn hatte ich leichte Schwierigkeiten mit der manuellen Schaltung und mit einer Kupplung die erst kam, wenn ich bereits das komplette Bein gehoben hatte.
Hier schon mal ein paar Eindrücke der Strecke.

Großteil der N1 (Name der Autobahn) ist kerzengerade, beidseitig 2-spurig, ohne Mittelleitplanke. Beim Überholen diverser LKWs war ich dann auch immer angespannt, wenn ich das entgegenkommende Auto mit 280km/h auf mich zurasen sah (120km/h sind erlaubt, ich fuhr mit geschätzten 140, der Gegenverkehr auch). Nach knapp über 3 Stunden erreichten wir unser Ziel. Wir fanden heraus, dass wir in den Studentenwohnheimen untergebracht waren. Da ahnte ich schon böses. Nicht grundlos sind südafrikanische Studenten WGs in Europa berüchtigt. Bereits als wir durch die Korridore wanderten, die selbst in den oberen Etagen eher an Kellergänge erinnerten, grauste es mir. Wir bekamen Zimmerschlüssel. Wir wechselten das Gebäude und machten uns auf die Suche. Ich öffne die Tür und schließe sie direkt wieder, als diverse Kakerlaken aufschreien, als hätte ich sie gerade nackt in der Dusche überrascht. Ich marschiere zurück. Naja, kann ja mal passieren. Einfach mal Schlüssel tauschen. Ich erläutere mein Problem. „Ja ja, das ist hier so ein Problem mit den Viechern. Wir haben die Räume vorher noch mit Pestiziden gereinigt.“ Das riecht man auch, sehr professionell wurde das wohl nicht durchgeführt. Zweiter Schlüssel. Nächster Raum. Tür geht auf. Geht wieder zu. Gleiches Problem. Kakerlaken fliehen vor dem plötzlichen Lichteinfall. Also wieder zurück. Neuer Schlüssel, neues Stockwerk, neues Glück. Oder neues Leid. Für einen kurzen Moment gehe ich in das Zimmer, dann sehe ich, dass es hier noch schlimmer aussieht. Jetzt bin ich allmählich schlecht gelaunt. Wäre das ein Film, dann würde sich jetzt mein Körper aufblähen, meine Haut sich grün färben und ich könnte alles kurz und klein schlagen. Ich gehe zurück. Frage nach einem neuen Schlüssel in einem anderen Gebäude. Es kommt zu gewissen Verstimmungen zwischen mir und dem Personal. Alle sind angepisst.
Letztlich bekomme ich dann ein Zimmer in einem anderen Gebäude. Immer noch Studentenwohnheim, aber als ich eintrete finde ich zumindest keine Schaben. Dafür jedoch eine Rolle Klopapier. Wenn man hier nämlich kacken will, dann sollte man schleunigst dran denken, seine private Klopapierrolle mitzunehmen, sonst sitzt man nämlich ganz schön in der Scheiße (entschuldigt die Vulgärsprache), weil es auf den Toiletten keine Rollen hat.
An diesem Abend sind dann noch die üblichen Reden von irgendwelchen Personen, die irgendwas zu sagen haben und alles schön preisen. Den Vorsitz hat ein Kerl, der mich an Eddy-Murphy erinnert, nur scheint man ihm die Beine unterhalt des Knies abgehackt zu haben, es ist nämlich wirklich nur ein Zwerg mit einer viel zu breiten Lederjacke. Es gibt ein gewaltiges Pfeifkonzert- ach nein, das sind ja nur die Grillen, die dem einschlafenden Saal ein Hintergrundgeräusch verpassen. Es ist der letzte Redner, der seine Kollegen rettet. Ein Afrikaner der sich da hinstellt, ohne aufgeschriebene Rede und einfach mal klarstellt, woran es in diesem Land mangelt. Ich bin beeindruckt, bisher hatte ich gedacht, dass die offensichtlichen Probleme in Sachen Ausbildung und Schule irgendwie unbemerkt zur Plage werden. Lehrermangel muss durch Einfuhr von Ausbildungskräften aus Simbabwe kompensiert werden, aus Simbabwe! Das sagt ja schon alles. Es gibt Stipendien und Förderungsmittel für sehr gute Schüler, das Problem ist halt, dass es fähige Schüler einfach kaum gibt. Nach Ende der Apartheid sah man sich einem gewaltigem Problem gegenüber. Plötzlich durften und mussten auch Schwarze in die Schule gehen. Wo sollte man die nötigen Lehrer aber hernehmen. Diese auszubilden dauert schon allein etwa 10 Jahre. Aber wo kriegt man die Leute her, die diese enorme Menge an Lehrer ausbilden? Wie bereits einige wissen, gibt es hier Studenten an der Uni, welche im 2. Jahr Physik studieren und vom Sinus und Cosinus noch nie gehört haben und das ist nur ein Beispiel. Folgendes Bild zeigt das ganze Dilemma. Es ist die Antwort auf die Frage warum der Himmel denn blau sei.

Das kann man eigentlich nicht kommentieren. Ich musste mir die ersten Sätze mehrmals durchlesen. Ich versuchte mit aller Gewalt den Sinn dieser Sätze zu finden, versuchte zu erahnen, was dieser Student eigentlich da schrieb und was er sich dachte. Aber es gelang mir nicht. Ich war erstaunt, als ich weiterlas war ich geschockt, amüsiert und verwirrt zugleich. Dann drang nur noch das monotone „wtf“ aus meinem Mund (what the fuck- was zum Henker), wurde abgelöst von „kichern“, gefolgt von „wie doof kann man sein“, über „welche Drogen hat der denn geschluckt, um diesen Brei an zusammenhanglosen Wörtern zu produzieren“ und endete mit „apathischem, beinahe wahnsinnigem Gelächter“ über diesen geistigen Ausfluss, der Seinesgleichen sucht.
Aber eigentlich…ist das einfach nur traurig.
Zurück zur Konferenz. Am Abend gab es Finger-Food und ich, wie auch viele andere, fand mich in der verzwickten Lage einen Teller mit Essen in der linken Hand und ein Getränk in der Rechten, aber keine dritte Hand zum Schaufeln der Köstlichkeiten zu haben. Zudem trommelten und tanzten ein paar Kinder angeführt von ihren Schamanen, ähm Verzeihung, gutbeleibten, ältere Damen. Das ist ja ganz nett, ein bisschen laut vielleicht, aber mal ganz nett anzuschauen. Außer sie hören einfach nicht mehr auf. Nach 10 Minuten ist man schon genervt, nach 20 Minuten sucht man Pfeil und Bogen um dem Treiben ein Ende zu bereiten, aber nach 30 Minuten malträtiert man schon sinnlos ein Stück Fleisch in der Hoffnung, dass dieses als Voodoo-Puppe zu gebrauchen wäre, es half aber doch nichts.
Irgendwann ging es dann zu Bett. Ich vergewisserte mich abermals, dass nichts in meinem Zimmer war, was ich da nicht haben wollte und schlief ein.
Am Morgen wollte ich mich dann frisch machen und rasieren. Toilette und Dusche waren in erbärmlichen Zustand. Abschließen konnte man weder das eine noch das andere. Nicht jede Toilette besaß eine Klobrille, die „Duschwanne“ bestand aus Beton umgeben von einer Rinne in der das Wasser davon schwamm und in welche man drohte hineinzurutschen, sobald die Füße eingeseift waren. Der Duschkopf an sich war von der Sorte "Feinzerstäubenderhochdruckökonomischer Duschkopf". D.h. man spürte kräftig die winzig feinen Düsen, welche das Wasser mit enormer Geschwindigkeit herausschossen, aber trotz allem schien einfach kaum Wasser herauszukommen. Immerhin hatte ich Glück und im Gegensatz zu meinen Begleitern warmes Wasser. Allerdings fehlte etwas anderes. Ich wollte mich rasieren. Suchte in der Dusche, hmmm, kein Spiegel. Mal im Gang schauen, da hatte ich Waschbecken gesehen. Auch nicht. Keine Spiegel. Gut, auch wenn es widerlich ist, dann halt in die Toilette. Kein Spiegel. Narf. Es war ja nicht so, dass die Spiegel irgendwie kaputt oder entnommen waren. Da war einfach nirgends ein Platz für einen Spiegel vorgesehen. Es gab in diesem Wohnheim keine Spiegel! Ich musste also unrasiert zum Frühstück und zu den ersten Vorträgen und rasierte mich dann dort in der Teepause auf der Toilette vor Ort. Diese war leider genauso traurig anzusehen. Es gab keine Seife und man könnte sie in Reisezeitschriften noch nicht einmal als rustikal preisen. Es gab keine Papierhandtücher, aber zumindest gab es einen Spiegel. So lernte ich zumindest den ein oder anderen verwunderten Konferenzteilnehmer kennen, der mir schlimmerem Ungeziefer als die gemeine Kakerlake berichtete. Einige Teilnehmer kämpften mit Bettwanzen und Zecken.
Apropos Kaffee und Teepause. Am ersten Tag wurde das scheinbar vom Personal vergessen. Einige hundert Leute standen in den Gängen und warteten darauf irgendetwas Warmes serviert zu bekommen. Aber die Leute waren gerade erst dabei die Tassen und Teller zu bringen. Nach 20 Minuten Verspätung war ich dann endlich an der Reihe und musste feststellen, dass das nicht Kaffee genannt werden konnte, was da vor mir stand. Dort fand ich eine Schale mit Zucker. Eine mit Milchpulver. Und eine mit Instant-Kaffeepulver. Was ein Gesöff.
Zum Essen. Ich mache es kurz. Frühstück: kalte Rühreier, ungetoasteten Toast, Butter aber keine Marmelade, kalte Bohnenpampe oder einen anderen Brei-Suppen-Zwitter.
Mittagessen: war in Ordnung (Mensa in Konstanz ist aber trotzdem deutlich besser). Leider gab es exorbitante Wartezeiten in der Schlange, weil die Bedienungen mit normalen Esslöffeln die Salate schöpften. In der Moderne benutzt man Portionierlöffel, das nennt sich dann „Vorsprung durch Technik“.
Abendessen: Nun ja, Dienstag gab es diesen Stehimbiss. Zu Mittwoch komme ich noch. Donnerstag war einfach kein Abendessen vorgesehen, sodass wir uns selbst drum kümmern mussten.
Noch etwas fehlte auf der Konferenz. Es gab außer während der Teepause morgens um 10 Uhr nichts zu trinken. Sie hatten es nicht einmal geschafft ein paar Krüge mit Wasser bereitzustellen. Nachmittags nach Michaels und Pierrot’s Vortrag gingen wir dann also ausgetrocknet einkaufen. Zur Sicherheit und Abschreckung besorgte ich Anti-Insektien Spray. Außerdem kauften wir sehr viel Wasser.
Mittwochabend war die gesamte Konferenz dann zum Bürgermeister von Polokwane eingeladen worden. Zu Beginn der Odyssee stellt ich mir die Frage, warum dieser nicht einfach zu uns kam, sondern stattdessen ein paar hundert Personen 40 km mit dem Bus zurücklegen mussten. Allerdings war ich dann doch froh über diese Variante, als ich sah, dass in einem bezaubernden Saal schön hergerichtete Tische mit den besten Weinen auf uns warteten. Dazu gab es Jazz von einer lokalen Band. Die Abfahrt mit dem Bus von der Universität war auf 19:15 angekündigt worden, verspätete sich allerdings grundlos auf etwa 19:40 Uhr, und ich war dementsprechend extrem beeindruckt von dem Organisationstalent der Universität, als ich auf dem Programm auf den Tischen las, dass unsere Ankunft für 18:30 eingeplant war.
Dummerweise stand der Wein schon vor dem Essen auf den Tischen und ich war dementsprechend schon recht schnell gut betüdelt. Der Wein sagte auch einigen Afrikanischen Studenten recht gut zu. So war recht schnell das Level erreicht in dem sie sich wie besoffene Fussballfans verhielten: lauthals und unverständlich singen. Bei der Rückfahrt wurde dann auch noch im Bus getanzt, sodass ich dann doch noch leicht genervt kurz nach Mitternacht in meinem Zimmer ankam.
Ich wollte soeben das Licht ausmachen, als ich plötzlich eine Bewegung in meinem Zimmer ausmachte. Eine Kakerlake im Regal. Aber, haha, ich war nicht unbewaffnet. Sogleich zog ich das Spray, kurz geschüttelt, nicht gerührt und schon gab es eine Ladung Gift für das Viech. Es zuckte noch kurz, warf sich auf den Rücken und versuchte sich im Breakdance, dann war es dahin. Kakerlake 0, Mensch 1. Doch scheinbar war sie nicht allein gekommen, sondern hatte einen Freund mitgebracht. Kein Problem. Ziehen, zielen und vernichten. Oha, noch ein weiterer Freund. Kakerlake 0, Andy 3. Hmm, vielleicht sind das die großen Brüder, die mir jetzt an den Leib wollen. Keine Panik, die kämpfen mit stumpfen Waffen. 0:4. Schon jetzt breitete sich ein leichter Nebel in meinem Zimmer aus.
Doch das war nicht das Ende.
Das Kilofrag-Turnier hatte soeben erst begonnen. Der Geruch des Sprays macht die Kakerlaken nämlich scheinbar nervös und treibt sie aus ihren Löchern. Noch in der letzten Nacht war ich der Meinung gewesen in einem insektenfreien Zimmer zu hausen, dieses Bild änderte sich nun. Kakerlaken 0, tapferes Schneiderlein 7. Mit einem Reflex fuhr ich herum und vernichtete im Sprungangriff zwei weitere Kakerlaken an der Tür. Erneuter Inhuman-Turn zurück zum Regal, welches allmählich eingenommen wurde. Das waren nicht nur die Brüder. Die ganze Familie war gekommen und sinnte auf Rache. Der Frag-Counter à la Hot-Shots begann zu laufen. 0:12. Godlike. Zwei Kleinkinder wurden im Doppelpack erledigt. Kakerlaken 0, Bruce Willis 15. Ein dicker Brummer verlor den Halt und schlug auf dem Boden auf. Ich war zur Stelle und erlöste ihn von seinen Qualen. „Begonnen der Angriff der Klonkrieger hat.“ Noch immer drang der Feind aus den Ritzen. Mein Atem wurde schwer, Nebel umhüllte mich. Kakerlaken 0, Terminator 20. Verflucht, die biblischen Plagen. Frösche, Hasen, jetzt also Kakerlaken. Ich sprühte und sprühte. Panische Todesschreie wurden vom Gift erstickt, doch Kakerlaken lernen nicht aus ihren Fehlern. Ich begann zu Husten, meine Zunge zeigte leichte Pelzigkeit. RAMBO-MASSAKER!!! DAUERFEUER! Jetzt hatte ich genug. Präventivschlag. Das komplette Regal wurde eingenebelt. Fenster und Türspalte. Das Gift tropfte von den Wänden. Noch immer drangen die letzten Familienmitglieder aus ihrer Behausung und gingen unter. Das wird ein gewaltiges Familiengrab werden. Wie viel größer wird wohl die Trauergemeinde morgen sein. „Wahnsinniger rottet mit biochemischen Waffen komplette Familie aus“ wird wohl der Schabenkurier morgen verkünden. Am Ende dieses Kampfes stehe ich vor 32 Leichen!!! Hätte es soweit kommen müssen? Ja! Solange der Nukleare Winter noch nicht eingebrochen ist, ist und bleibt noch immer der Mensch die unangefochtene Nummer eins auf diesem Planeten.

Ich öffne das Fenster, packe meine Sachen. Hust. Die Schlacht hat mich erschöpft. Stopfe eine Decke in den Rucksack und verlasse das Gebäude. Den Leuten von der Security antworte ich mit einem wahnsinnigen Grinsen auf ihre verdutzten Gesichter. Es ist 1:30, Chevrolet ich komme.
5:00 Uhr: Scheiße ist mir kalt (Außentemperatur etwa 8 °C). Ich sehne das Frühstück herbei.
Wie gut, dass ich um 8:20 meinen Vortrag halten soll. Ich überlege mir noch, ob ich nicht über das plötzlich auftauchende Massensterben diverser Schabenpopulationen berichten soll, aber das kann man nur machen, wenn man alleine auf einer Konferenz ist.
Irgendwie ist jetzt wohl verständlich, warum ich gerade krank bin :D
Den kompletten Vormittag lief mein Körper auf Autopilot. Es fröstelte mich und ich war verflucht müde. Mein Hals zeigte bereits einen leichten Anflug von Heiserkeit und selbst der Kaffee schmeckte plötzlich himmlisch. Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe „…einen souveränen Auftritt“ (Thomas) während meines Vortrages hinzulegen, aber irgendwie lief es ganz gut.
Donnerstagabend sollten wir hungern. Es war kein Abendessen vorgesehen. Zum Glück hatten sich ein paar Studenten diesem Problem angenommen und ein Braai (Barbecue) organisiert. Genauer gesagt hatten sie es geschafft die Leute vom Campus zu überzeugen, dass sie uns ihren Grill ausliehen. So denn fuhren wir also abermals einkaufen und irgendwann wurde dann auch gegrillt. Ich lasse Bilder sprechen.

Es war eine ganz nette Atmosphäre. Aus irgendeinem Grund war ich allerdings richtig fertig – ach stimmt, die Nacht im Auto – und ging dann doch recht zeitig ins Bett. Diesmal wieder ins Zimmer. Der Dunst des Sprays war über den Tag hin verflogen und definitiv kein lebendiges Insekt mehr in der Nähe. Freitagmorgen gab es dann noch ein paar leichtverdauliche Vorträge und ich machte ein paar Bilder vom Campus. Kurz nach Mittag ging es dann wieder nach Hause. 3,5 Stunden Autofahrt. Ich sehnte mich nach meinem sauberen Bett. Zum Schluss noch ein paar Bilderchen. Freue mich über Kommentare.

Sonntag, 11. Mai 2008

Südafrikanische Allerlei

Willkommen liebe Leserinnen und Leser, zu einer Sonderausgabe von „Absurdes aus Durban“. Der stetige Fluss der Zeit hat bereits einige Entfernung zu unserer letzten Ausgabe geschaffen und so hat sich wieder einiges angesammelt, was es zu berichten gilt.
Beginnen wollen wir sogleich mit einer Rechenaufgabe:

Wenn ein Handwerker an einem Tag 90 Fliesen legen kann, wie viel Fliesen legen dann 3 Handwerker in 3 Tagen? Nun? Nicht schwer oder? 3 mal 3 mal 90, das sind etwa 10^3 Fliesen (810 für nicht Physiker). Aber!
Wie viele Fliesen legen 3 südafrikanische Handwerker in 3 Tagen?
Na? Ne Idee? Nicht wirklich schwer oder?
90 geteilt durch 3, geteilt durch 3, das macht 10 Fliesen pro Tag!
Diese Logik ist nicht einfach so aus der Luft gegriffen, vielmehr bilden experimentelle Daten den Hintergrund dieser Aussage.

Es ereignete sich vor 4 Wochen, als eine Gemeinschaft von 7 Arbeitern loszog, nicht etwa um einen Zwiebelring in den Schicksalsdipp zu tunken, sondern um das Grundstück, welches unser Wohnhaus umgibt wieder in einen so genannten „Garten“, mitsamt Pool, zu verwandeln. Die ersten Aufzeichnungen für die Planung dieses Unternehmens liegen schon etwa 2 Jahre zurück und es bedurfte einiger archäologisch anspruchsvoller Arbeit, dies zu Tage zu tragen. Damals versprach der Vermieter P. S. der gerade frisch eingezogenen Candice (damals war sie noch das hübsche nette Ding, was man an der Bushaltestelle angesprochen und zum Einzug überredet hatte) den defekten Pool recht bald wieder Instand zu setzen. Doch in einem Land, wo die Doktoranden schon mal ein halbes Jahr umsonst arbeiten müssen, weil die Universität nicht in der Lage ist das Gehalt pünktlich zu überweisen, müssen die Mühlen erst einmal mahlen. Und sie mahlen und mahlen. Und wenn sie nicht zerbrochen sind, mahlen sie heute immer noch.

Seit dieser Zeit gab es einige mündliche Aktualisierungen dieses Plans, deren Zeitpunkt seltsamerweise recht häufig mit dem Einzug neuer Bewohner zusammenfällt. Bis Anfang April 08 blieb dieser Plan jedoch ein Gedankengerüst, fernab in einer unerreichbaren Fantasiewelt.

Nachdem sich die Bewohner der Residenz in der King George V Avenue mit der Hausnummer 225 bereits damit abgefunden hatten, dass vor der Veranda allmählich ein Urwald/Feuchtgebiet heranwucherte und es wohl sehr bald gelten werde das Eindringen von Kannibalen, Schlangengezücht und unbekannten Raubtieren jeglicher Art zu verhindern (es gibt Berichte über blutrünstige Kaninchen, welche im zarten Alter von einem Tag die gewaltsame Treibjagd ihrer Mutter und deren Entführung mit ansehen mussten und die seitdem nur noch die Rache am brutalen Hasenfänger am Leben hält), wurden eines schönen Tages inmitten der Wildnis urplötzlich Gärtner und Handwerker gesichtet, welche sofort begannen den Boden aufzureißen, um das Problem an der Wurzel anzugehen. Nachdem nach einigen Tagen dann endlich die Entropie (Unordnung) im Garten maximiert worden war, ging es endlich voran. Doch leider bedeutete „Arbeiter am heutigen Tag“ nicht zwingend „Arbeiter am nächsten Tag“. Warum? Frage nicht zulässig.

Zudem konnte meist nur auf Grund der Veränderung im Garten abgeschätzt werden, ob und wie viele Arbeiter überhaupt den Tag dort verbracht hatten, als die Bewohner nach einem anstrengenden Arbeitstag zurück in ihr Nest geflogen waren. Feine Nuancen entschieden über die Antwort: „War das Loch da gestern auch schon? Lagen diese Säcke mit Bauschutt gestern auch schon im Pool? Standen da gestern an der gleichen Stelle leere Milch- und Safttüten? Wurde dieser Busch erst heute herausgerissen? Lag dieser gewaltige Sandhaufen umringt mit Bauschutt gestern auch schon vor unserem Haus?“
Bewohner Michael fasste einmal die Geschehnisse im Garten folgendermaßen zusammen:
„Oh Mann, ich glaube ich komme besser gleich zur Uni. Denen da zuzuschauen ist ja nicht auszuhalten. Wie kann man nur so arbeiten?“
Doch das Schicksal hatte ein Einsehen und so ist nach 4-wöchiger Arbeit und 3-tägiger dauerhafter Wasserzufuhr, endlich ein gefüllter, funktionierender Pool herausgesprungen und die Wildnis wurde an das untere Ende des Grundstückes getrieben.

Die Busfahrt: Es ist 15:20 Uhr. Gut, ich bin mehr als pünktlich. Bus fährt erst in 10 Minuten los, da sollte ich wieder einen Sitzplatz bekommen. Ich erreiche die Tür. Schock. Oh nein, der verrückte Busfahrer fährt heute wieder. Warum verrückt? Nun ja, jemand der mitten auf der Straße mit einem riesigen Bus hält, jeglichen Verkehr blockiert, um einen Mini-Bus Fahrer zurecht zu weisen; jemand der an der Haltestelle durch unablässiges Aufheulen des Motors versucht die Studenten dazu zu bewegen, schneller auszusteigen; jemand der standardmäßig mit offener Tür fährt; jemand der auf einer zweispurigen Straße immer die mittlere benutzt und andere Autos geradezu vor sich hertreibt, usw.; der ist nun mal schlichtweg bekloppt.
Ich erklimme also die erste Stufe und springe fast in einen Passagier hinein. Schock. Verdammt, der Bus ist ja schon fast voll. Was geht?
Ich suche mir einen Platz direkt neben der Fahrerkanzel. Ein paar Studenten kommen. Noch ist Platz auf den Treppenstufen, die Türe wäre gerade noch schließbar. Weitere Studenten kommen. Erhöhter Druck, bei gleichem Volumen, bedeutet die Temperatur steigt. Die Sonne brennt auf den Bus. Es wird heiß, die Luft dickflüssig. Werde immer weiter zur Windschutzscheibe gepresst. Mein Kopf verschwindet unter dem Dach. Busfahrer steht auf. Immer noch kommen Studenten und wollen mitgenommen werden. Busfahrer öffnet seine Kanzel. Lässt zwei Damen hinein. Wird das jetzt eine neue Folge von ...?
Endlich startet der Motor. Wir rollen los. 300 Meter weiter: Stopp.
Scheiße. Noch mal ein dutzend Studenten wollen mit. Es wird gepresst. Mein Schienbein kämpft gegen eine Metallkannte, meine Hand klammert sich an eine verrußte Stange. Meine Position ist fix. Unschärfe null.
Nach 5 Minuten sind alle drin. Frauen sitzen übereinander auf den Sitzen, auch der letzte Platz an der Treppe wird genutzt. Der Busfahrer gibt Gas. „Können wir vielleicht die Türe schließen?“ Höre ich mich in erstaunter Ruhe fragen. Zu zweit wird die Tür zugedrückt, nachdem sie elektrisch entriegelt wurde, eine Person wird benötigt diesen Zustand beizubehalten.
Die erste Bodenwelle schmerzt. Gut dass es in Südafrika überall diese Geschwindigkeitsbegrenzungsbuckel gibt.
Wir rasen dahin. Ich kann nur ahnen, wie sich hunderte Insekten über so ein langes, kopfloses Elend kaputt lachen, dass da von innen an eine Windschutzscheibe gepresst auf sie zurast, bevor sie einen Zentimeter vor ihm von etwas unsichtbarem zermatscht werden. Vielleicht ist das aber auch nur eine dieser hochmodernen Stoffpuppen mit Saugknöpfen, mag es ihnen vielleicht noch durch den Kopf gehen.
Ich werfe einen Blick in die Kanzel des Busfahrers und bereue es sogleich.
Blinkerleuchten: kaputt, Warnblinker: Schalter fehlt. Tankanzeige: Ausfall. Diverse andere Instrumente und Anzeigen: herausgerissen und durch lose herumhängende Kabel ersetzt. Tacho: zeigt nur meine relativ Geschwindigkeit im Intertialsystem Bus an, die ist konstant null. Gurt für den Busfahrer: aus Gewichtsgründen entfernt und durch Lautsprecher ersetzt. Automatikschaltung: schaltet nur sporadisch. Professionalität des Busfahrers: Überwältigend, seine linke Hand schiebt mich zur Seite, damit er den Seitenspiegel benutzen kann.
30 Minuten dauert dieser Spaß. In meinem Kopf wiederholt sich unentwegt ein Satz, den ich vor ein paar Tagen zu einem Kommilitonen sagte und der gerade adabsurdum geführt wird:
Ich fahre ganz gern mit dem Bus, das ist irgendwie recht entspannend. Hoffentlich bin ich den Dämon mittlerweile wieder losgeworden, der mir diesen Satz ins Großhirn pflanzte.
Endlich am Zielort hat der Platz an der Scheibe dann doch was Gutes: ich bin einer der ersten die der Hölle entfliehen können.

Einkaufen fahren: Samstagmorgen. Michael und ich fahren einkaufen. Ich darf fahren. Normaler Verkehr: Autos fahren deutlich schneller als die erlaubten 60km/h. Minibusse ziehen von ganz rechts gerade noch rechtzeitig nach ganz links um abzubiegen. Andere Minibusse stehen an der roten Ampel, werden ungeduldig, sind sich sicher das Grün voraus zu ahnen und beginnen in die Kreuzung hineinzuschleichen. Als sie die Mitte erreichen ist noch immer rot. Scheiß drauf. Der Fahrer gibt Gas. Ich schaue ungläubig zu Michael.
Auf den meisten Straßen stehen in unregelmäßigen Abständen Autos. Definitiv im Halteverbot. Aber mit angeschalteter Alarmblinkanlage geht das schon in Ordnung.
Die dauernden Hupgeräusche überhöre ich schon seit einiger Zeit. Entweder es sind die üblichen Balzrituale der Minibusfahrer, welche ihren Kopf mitsamt Oberkörper aus dem Fenster strecken und hübsche Mädels auffordern einzusteigen, während sie mit dem linken Arm das Handy am Ohr halten und scheinbar nur noch der Autopilot das Fahrzeug lenkt, oder es ist das Auto hinter mir, dessen Autokennzeichen und Marke ich nach einem Blick in den Rückspiegel nicht erkennen kann, weil dessen Motorhaube scheinbar schon in unserem Kofferraum zu stecken scheint.
Ich fahre also angepasst an den Verkehr mit „knapp“ über 60, als ich von links plötzlich etwas auf mich zu schießen sehe. Scheiße, der ist schnell. Bremsen und passieren lassen? Oder Gas geben und das letzte Schlupfloch nutzen. Denn bremsen, das ist mir klar, wird der nicht. Da ist ja noch nicht mal ein Fahrer am Lenkrad. Noch nicht mal ein Lenkrad am Lenkgestänge. Noch nicht einmal ein Motor im Motorraum. Was da auf mich zurast ist ein verfluchtes Rad. Ein einzelnes, aus dem Nichts kommendes, verfluchtes Autorad, das direkt im rechten Winkel in eine vierspurige Straße hinein rollt. Mein Oberschenkelmuskel zieht sich mit der Reaktionsgeschwindigkeit meines rechten Zeigefingers zusammen. Mein Fuß presst das Gaspedal bis zum Anschlag. Über 200 schwedische Pferdestärken heulen auf und katapultieren unseren Saab gerade noch am Hindernis vorbei.
Warum in Südafrika Autoreifen durch die Gegend rollen? Däng, däng, däng. Frage unzulässig.

Schulische Ausbildung: Ich habe ja wie einige wissen, irgendwann Ende Januar ein indisches Mädel im Bus kennen gelernt. Um gewissen Fragen zuvor zu kommen: ich kann ihr Alter nur auf „zu jung“ schätzen. Außerdem hat sich noch immer ihr Name in den unendlichen Weiten meines Verstandes verirrt und ich arbeite daran das minimal peinlichste Modell auszuarbeiten, um ihn herauszubekommen.
Wie dem auch sei, sie hatte diverse Fragen in Sachen Mathematik und Physik, also habe ich mich dargeboten. Verzeihung. Angeboten.
Das bescherte mir Einblicke in das südafrikanische Schulsystem, welche wohl besser unter Verschluss gehalten worden wären.
Was lernt man an der Universität in der Vorlesung Mathematik für Biologen?
Man lernt, das erste Mal, wie man Funktionen ableitet. Die ganze Geschichte mit Rechts und Linksseitigem Grenzwert ebenso. Und man lernt den Funktionswert für x à unendlich zu berechnen.
Das lernt man nicht etwa an der Schule, da konzentriert man sich nämlich auf die Physik.
An der Uni kann man den Studenten in der Physikvorlesung dann nämlich mit dem gesammelten Vorwissen bereits beibringen, wie sich ein starrer Körper auf einer schiefen Ebene verhält! Ja Heurika. Das ist doch was. Da hat man den Sinus und den Cosinus, manchmal sogar den komplett unbekannten Tangens. Man hat einen Winkel, der nur solange ein Winkel ist, solange man ihn Alpha nennt. Da gibt es Formeln für Kräfte, deren Zuordnung zur Realität zu höchstem Grade vom winzigen Index abhängt, den ein Professor in unleserlicher Handschrift und didaktisch wertloser Weise in sein Vorlesungsskript gepinselt hat.
Wir gingen für den bevorstehenden Physiktest den des Vorjahres durch. Freundlicherweise hatte eine Freundin bereits die richtige Antwort bei diesem Multiple-Choice Prozedere markiert. Erkenntnis nach 2 Stunden Erklärung und Rechnung: Die Freundin wird den Test mit Sicherheit mit null Punkten abgeben.
Ein Kumpel aus Durban meinte eines Tages zu mir: „Wie? Du meinst das Englisch das du kannst, ist das was du aus der Schule kennst? Das heißt ihr lernt da ja wirklich was.“
Öhm, es ist schon durchaus wichtig, dass man den Zusammenhang zwischen Schule und Lehre/Lernen erkennt.

Damit es nicht zuviel auf einmal ist, soll’s das erstmal wieder sein. Noch kurz erwähnen will ich, dass ich letzte Woche einen Einblick in das Nationale Laser Zentrum in Prätoria bekommen habe.

Ich bin aus allen Wolken gefallen. Dort gibt es tatsächlich Experimental Physiker, die an funktionierenden Versuchen arbeiten und sogar selbst erklären können, was sie da tun. Beides ist an der Universität von Durban nicht der Fall. Wenn man die Leute hier fragt, was sie genau eigentlich im Labor machen. Dann wissen die das nicht! Da bekommt man nicht etwa eine unverständliche Antwort. Nein! Die kennen selbst die Antwort auf diese Frage nicht. Die Versuchsaufbauten die ich bisher dort zu Gesicht bekam sind noch nicht einmal auf Fortgeschrittenen Praktikums Niveau.
Ich hielt in der Landeshauptstadt einen Vortrag, der leider etwas zu lang geriet und Michaels deshalb verhinderte. Sorry nochmal. Zudem versuchten wir eine Zusammenarbeit mit einer Gruppe zustande zu bekommen, welche sich dort mit; Vorsicht es wird jetzt kurz physikalisch; dem Bahndrehimpuls von Licht beschäftigt und diesen mit Hilfe computer-generierter Hologramme (welche mit 60Hz erzeugt und verändert werden können) kontrollieren, herstellen und verändern können. Anwendung: Qudits, das sind Qubits mit mehr als 2 Dimensionen. Die zwei Tage dort waren wirklich beeindruckend, was nicht nur an den beiden reizenden jungen Physikerinnen lag, welche mit uns den kompletten Tag verbrachten.

Bis demnächst Andi

Freitag, 18. April 2008

Eins. Hier kommt die Sonne! Zwei. Hier kommt die Sonne!

Weil's so schön ist: noch ein Frühstücksbild.
P.S.: Bald gibts Bilder vom fertigen Garten mit funktionierenden Pool.

Samstag, 12. April 2008

Donnerstag, 10. April 2008

Vogelpark Umgeni

Sie drückt. Von allen Seiten, man kann ihr nicht entkommen. Du atmest schwer, so als ob sie versuchen würde dich mit einem Kissen zu ersticken. In ihrer Gegenwart lässt jede Bewegung deinen Körpersaft durch deine Poren strömen. Angstschweiß? Mit nichten. Du setzt dich auf die Veranda, aber es hilft nichts. Die Luft ist flüssig. Kein Lüftchen, das dir hilft ihr zu entkommen. Die Sonne kämpft gegen seichte Wolken, schenkt nur trübes Licht. Auch wenn du Nichts tust, noch nicht einmal Gedanken durch deinen Kopf rasen, kondensiert das Wasser auf deiner Haut und läuft in Tropfen herab. Dieser Tag gehört ihr, der allmächtigen Schwüle, vielleicht hast du Glück und sie begnügt sich mit dem heutigen Tag.
Nun aber genug von der Poesie. Letztlich haben wir uns doch noch aufgerafft und einem Vorschlag des Vogelnarren Ilya folgend den Vogelpark an der Umgeni Road besucht.
Wir hatten Glück und tauchten gerade rechtzeitig zu einer Vorführung auf. Alles weitere folgt als Bildunterschrift.

Moderator: "Komm, Vögelchen, koomm."
Vogel: "Kannst mich mal, hab da grad ein paar hübsche Schuhe im Publikum entdeckt."

Eine "Schönheit" unter den hässlichen; ein Geierweibchen.



Angaben o. Gewähr: ein Sperbergeier, Spannweite 2,4 Meter, Flughöhe bis zu 11km!!! Also wenn ein Langstreckenflieger ein Triebwerk verliert, dann hat er wohl sowas gerade geshreddert.

Eine Eule (wäre ich aufmerksam gewesen, könnte ich eine nicht triviale Beschreibung liefern), die nach Angaben des Moderators nachts noch jagen kann, wenn in 1km Entfernung eine Kerze steht.

Moderator: "Papageien sind so intelligent, wie 3-Jährige."
Papagei: "Moderatoren können zwar fieser dreinblicken, aber müssen wohl gerade noch das Larvenstadium der Menschen durchlaufen."


Der Papagei ist dem Menschein eindeutig überlegen.

"Wenn ihr unsere Sprache nicht versteht, müssen wir euch halt aufschreiben, wie wir heißen."

Da deutet sich doch ein Zungenkuss an.





Man erkennts vielleicht an den kräftigen Waden. Dieses Viech geht mir bis zum Bauchnabel und ist wohl der ultimative Thanksgiving Gockel.

Mittwoch, 2. April 2008

Privater Wildpark Tala

In der vergangenen Woche fand in einem Hotel am Strand ein Workshop statt. Sir Peter Knight und 4 seiner Musketieren hatten sich vom Imperial College aus London aufgemacht ein paar Kontakte mit Südafrika zu knüpfen.
Mehr will ich darüber im Moment nicht erzählen, vielleicht kommt das noch später, wenn ich ein paar Bilder dazu zusammengestellt habe. Allerdings war diese Truppe der Grund, warum es Michael, Ilya, Martin und mich zum privaten Wildpark Tala in 45min Entfernung verschlug. Wir liehen uns den Landrover von unserem Vermieter, um im Park dann dem Ranger, der die Gruppe der Besucher umher fuhr, zu folgen. Im Moment fehlt mir leider der Ansporn einen mässig bis hoch amüsanten Text zu diesem Ausflug zu schreiben, deshalb einfach mal ein paar interessante Bilder. Wie man sehen kann kamen wir recht nah an die Tiere heran.










Montag, 24. März 2008

We'll be back!

So, wir leben noch und haben uns nicht verirrt. Wir waren erneut bei den Kloof Wasserfällen, um unser Versagen am Freitag zu korrigieren. Und ich muss gestehen, dass ein Hauptgrund für unsere Verwirrung unser mangelndes Verständnis der Karte war. Das ist halt das Problem, wenn man die Karte fotografiert und auf der Digicam betrachtet. Die braunen Linien, das ist gar kein Pfad, das sollen die Klippen sein (eine Karte bedeutet nichts ohne Legende). Und wo wir wirklich gelaufen sind, das erklärt euch das nächste Bild.

Rot eingezeichnet ist der Weg, den wir gegangen sind. Ohne Skala bedeutet eine Karte auch nichts, die ist allerdings nun wirklich nicht vorhanden, so dass es einfach schwierig war Abstände abzuschätzen. Nun jedoch, wo wir wissen, wo wir unterwegs waren, erklärt sich auch warum es nicht weiter ging. Fallen euch die Pfeile auf der gelben Route auf? Was könnte das wohl bedeuten? Gegenverkehr? Nein! Das bedeutet, dass da eine Sackgasse ist. Und genau die haben wir gefunden :P
Nun ja, Theoretiker eben. Wir haben doch einige "Messungen" gebraucht, um die Karte richtig zu interpretieren. Das kommt davon, wenn man sich über die Einheiten nicht einig ist.

Hier noch Bilder vom schwarzen Pfad, mit dem Wasserfall und einem Dessie (oder der etwas größere Hamster).