Sonntag, 28. Oktober 2007

Impressionen

Nachdem diese Woche nicht viel außergewöhnliches anfiel, will ich noch mal ein paar Eindrücke vom Alltagsleben vermitteln, im Rahmen des gestrigen Abend. Michael hatte gehofft seinen Saab nach 2 monatigem Reparaturaufenthalt (die Teile müssen nunmal erst von Schweden hier her gelangen) zurück zu bekommen. Bei der Probefahrt stellte der Mechaniker jedoch fest, dass wohl noch was an irgendeinem Lager kaputt sei, und es jetzt wieder mind. eine Woche dauern sollte. Daraufhin haben wir uns ein Taxi geholt, um irgendwo was Essen zu gehen. Taxis sind hier teuer. Ich würde mal schätzen 1€ pro km, was für deutsche Verhältnisse nicht viel ist, wenn man jedoch bedenkt, dass viele Menschen hier von 1€ pro Tag leben, dann kann sich das nicht jeder leisten. Michael kennt sich glücklicherweise mit Taxis schon aus, denn man muss zwischen den verschiedenen Anbietern schlau wählen, will man nicht ein Auto erwischen, das an jeder Ampel ausgeht, oder versifft ist. Bei der telefonischen Bestellung haben wir dann wieder die häufig anzutreffende südafrikanische Willkür kennengelernt: Adresse gegeben, dann meint er, sie seien grad ziemlich ausgebucht, aber wir sollen dann mal so in 15-20min rausschauen, aufgelegt. Ähhhm, wtf, das kostet uns Zeit, das kostet sie Zeit, kommt überhaupt nen Taxi? Nun ja, es kam. Wir standen draußen an der Straße, Taxi kommt, fährt vorbei, und hält 30m weiter beim Nachbar, der grad auch zufällig draußen stand und der scheinbar eher aussah wie jemand, der nen Taxi bestellt hat. Also sind wir (ich glaub es war nen Renault Kangoo, oder so) zur Florida Road gefahren, da gibt es scheinbar ziemlich angesagte Restaurants. Dem war auch so, ziemlich viel los, Leute standen schon auf dem Gesteig herum und haben auf freie Tische gewartet. Wir kommen hin, da ist zufällig nen freier Tisch für zwei, passt! Schon saßen wir also beim Italiener. Allerdings draußen an der Straße. So hatte ich zumindest wieder Gelegenheit die Fahr- und Parkweise der Südafrikaner zu bewundern. Die Straßen sind ja breit, d.h. parken ist beidseitig kein Problem. Und weil die Straßen so breit sind, stellt man sich auch einfach mal in die zweite Reihe, macht eventl. noch den Warnblinker an und verlässt mal das Auto. Nun gut, die Straße ist ja breit, breit genug um das auf beiden Seiten zu tun und breit genug, dass Schwachmaten sich sicher genug fühlen mit ihrem getunten Mercedes oder BMW mal kurz auf 100km/h zu beschleunigen, um den Hengst raushängen zu lassen, zum Vordermann aufzuschließen, um mit diesem dann bis zur nächsten Ampel auf der zweispurigen Straße (außer dort stehen Autos in 2.Reihe, s.o.) ein Rennen zu veranstalten. Ich fragte mich also: Brauchen die Südafrikaner so viel Platz auf den Straßen, weil die Straßen so breit sind; oder sind die Straßen so breit, weil der Südafrikaner so viel Platz braucht? Übrigens, wie schon mal erwähnt, es gibt hier keine Regel, auf welcher Seite man ein anderes Auto überholen darf. Das macht man je nach Bedarf, was auf dem Highway natürlich automatisch zu Need for Speed ähnlichen Fahrweisen führen kann. Erstaunlicherweise ist das eigentlich garnicht so gefährlich wie es sich anhört, weil die meisten nicht grundlos die Spur wechseln. Man nimmt also schon Rücksicht aufeinander. Zum Beispiel auch an einer Kreuzung, wenn die Ampel nicht geht. Da gilt wirklich, wer zuerst da ist, fährt zuerst. Und das funktioniert richtig gut. Man brettert hin. Hält, wartet bis die Autos dran sind, die da standen bevor man hinkam, und fährt dann weiter. Und eine Ampel würde den Verkehr nicht flüssiger verteilen können. Zu Stocken und Staus kommt es immer dann, wenn da mitte.n auf der Kreuzung nen Kerl steht, der den Verkehr mit Handzeichen regeln will

Das einzige was meiner Meinung nach richtig gefährlich ist auf der Straße, ist zum einen die Höhe der Busse, das sind ältere Modelle, die hinten gerade soviel Bodenfreiheit haben, dass die Motorhaube verschwinden würde, wenn man ihm hinten drauffährt, und man unweigerlich nen Cabrio danach hat. Zum anderen fahren hier Pickups herum, die auf ihrer Ladefläche Arbeiter oder Personen transportieren. Und diese sitzen nicht etwa auf der Ladefläche, sondern auf dem Rand. Und das finde ich mal richtig grob.

Nunja, wieder zurück zum Italiener. Das essen war richtig gut, ich hatte Gnocci alla Gorgonzola, schöne Portion, für 4€. Danach sind wir noch etwas die Straße runtergepilgert. Dort stehen öfters Security Beamte herum und es ist allgemein viel los, sodass man dort keine Angst haben muss überfallen zu werden. Allerdings gibt es schon viele Schwarze, die irgend einen Ramsch verkaufen wollen. Irgendwelche Skulpturen, Bilder etc. und Drogen! Mich hat tatsächlich einer angesprochen und mich gefragt, ob ich was bräuchte. Dazu hat er mir mit Gesten zu verstehen gegeben, was er denn so auftreiben könnte. Finger an der Nase reiben à klaro, das sollte doch was zum Schnupfen sein, Koks oder so; Ärmel hochziehen und auf die Vene deuten à nunja, das sind die Sachen mit Spritze. Aber, alles in einem super netten Ton, und nachdem er dann festgestellt hat, dass ich scheinbar nur Gras rauche; ich hatte eine Stickerei eines 3 blättrigen Blattes auf dem Pullover; hat er dann doch nach etwas Kleingeld gefragt (Coins, also Münzen), das ich ihm auch gegeben habe, worauf er glücklich verschwand. Coins gibt man hier übrigens sehr oft. Zum Beispiel dem ein oder anderen Security Mann, der scheinbar von niemandem eingestellt wurde, sondern eine Ich-AG betreibt. An vielen Parkplätzen stehen Schwarze mit Warnweste, die dir helfen nen Parkplatz zu finden und auf dein Auto „aufpassen“. Es war mir anfangs nicht bewusst, aber die werden natürlich genausowenig von jemandem angestellt, sondern die leben davon, dass wenn du weg fährst ihnen zwischen 20 und 40 Cent gibst (€ cent mein ich hier). Aber die sind meistens einfach super nett und ich glaube man ist eher bereit so jemandem, der versucht durch irgendeine Arbeit Geld zu verdienen, etwas zu geben, als denen, die einfach nur plump betteln und penetrant nerven.

Ich seh schon, ich schreib wieder zu viel. Deshalb wieder zurück zum Abend. Wir haben uns dann noch in ein anderes Kaffee gesetzt und ich hatte noch nen Cafe Latte, Michael einen Smoothie, btw. Südafrika ist das Land der Milchshakes. Danach wieder nen Taxi beordert, was dann auch ziemlich schnell kam. Kurz bevor wir daheim waren, ergab sich ein weiteres Beispiel für die temporäre Verpeiltheit von Südafrikanern. Unser Haus lag in Sichtweite und wir gaben dem Fahrer zu verstehen dass er doch bitte links ran fahren sollte. Ich weiß nicht warum, aber er ist einfach rechts abgebogen auf ne kleine Seitenstraße die zu nem leeren Uniparkplatz führte. Warum? Ich habe nicht die geringste Ahnung, vielleicht hätte ich nach nem Passierschein A 38 fragen sollen.

Zum Schluss noch ein paar Bilder die ich während eines Gewitters gemacht habe. Habe die Kamera leider noch nicht vollständig im Griff, sodass das alles via Automatik Funktion aufgenommen wurde. Bis demnächst, Andi.


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